Nelson Mandela (1918-2013)

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Kategorie: International
Veröffentlicht am Dienstag, 10. Dezember 2013 19:56
Geschrieben von estro
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nelson-mandelaAm 5. Dezember 2013 ist Nelson Mandela, der kompromisslose Kämpfer gegen das menschenverachtende Apartheidsystem in Südafrika und erster frei gewählter Präsident seines Landes, im Alter von 95 Jahren verstorben. Nelson Mandela, den die Südafrikaner „Tata Madiba" nennen, ist seit Jahrzehnten für die fortschrittlichen Menschen das unumstrittene Symbol für den Freiheitskampf und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Seine Persönlichkeit und sein Name stehen für das bedingungslose Eintreten gegen Rassismus und Rassenhass, für die Auflehnung gegen Armut und Gewaltherrschaft. Er bezahlte für seine Treue zu den Werten und Idealen des Humanismus und seiner Vorstellungen von Gleichheit und Gerechtigkeit mit seiner persönlichen Freiheit und seiner Gesundheit: In einem Schauprozess verurteilte ihn die Justiz des südafrikanischen Apartheidsystems im Jahre 1964 zu lebenslanger Haft.

Fast ein Viertel seines Lebens blieb Mandela trotz internationaler Proteste auf der Gefängnisinsel Robben Island der Gefangene eines Regimes, das die Vorrechte der weißen Bevölkerungsminderheit mit roher Polizeigewalt zu schützen suchte und das für seine antikommunistische Politik von den westlichen Staaten hofiert wurde. Das rohstoffreiche und wohlhabende Land mit seiner bitterarmen schwarzen Bevölkerungsmehrheit war und ist ein wichtiger Lieferant für Bodenschätze aller Art und blieb ein beliebter Geschäftspartner für westliche Rüstungsfirmen – sie lieferten die Waffen, mit denen das Regime den Widerstand der Kämpfer für Freiheit und Gleichheit im Lande brutal unterdrücken konnte.

Mandela, der als Rechtsanwalt und Aktivist, aber auch als Guerilla-Kämpfer gegen das menschenverachtende Apartheidsystem angetreten war, wurde erst im Jahre 1990 aus der Haft entlassen. War er schon zur Zeit seiner Gefangenschaft zum Symbol des gerechten Kampfes für die Gleichberechtigung und die Menschenrechte in seinem Lande geworden, so konnte er nun – nach seiner Freilassung – das Ende der weißen Gewaltherrschaft in Südafrika einleiten. Aus den ersten demokratischen Wahlen des Landes im Jahre 1994 ging er als Sieger hervor, er wurde zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Nelson Mandela amtierte bis zum Jahr 1999.

Nelson Mandela war Mitglied des ZK der SACP (der Kommunistischen Partei Südafrikas). Mandelas Kampf um die Freiheit seines Volkes war immer auch antiimperialistischer Kampf. In diesem Kampf sah er sich an der Seite großer Revolutionäre – mit Fidel Castro und Muammar Al-Gaddafi verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen und in vielen Punkten auch politische Überzeugungen.

Im Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stand das Ziel der Überwindung von Armut und sozialem Elend in seiner Heimat. Seine Freunde und Begleiter im Freiheitskampf standen zu ihm auch in den Zeiten, als die westlichen Staaten den ANC als terroristische Organisation einstuften und Mandela als verurteilten Verbrecher bezeichneten: Im Jahre 1980 setzten die USA den African National Congress, die politische Organisation Mandelas, auf die Liste terroristischer Vereinigungen. - Es sind dies dieselben Staaten, die Mandela schließlich den Nobelpreis verliehen haben. Bei einem Besuch in Südafrika erklärte der damalige bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß: Die Abschaffung der Apartheid sei „unverantwortlich" und die Gleichstellung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit „nicht wünschenswert". Maggie Thatcher erklärte als britische Premierministerin im Jahre 1987: "Der ANC ist eine typische Terrororganisation. Jeder, der glaubt, sie könnte Südafrika regieren, lebt in einem Wolkenkuckucksheim". (zitiert nach: Nelson Mandelas Gegner: "Dieser schwarze Terrorist", von: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , spiegel online vom 6.12.2013)

Die heutigen Oberhäupter der imperialistischen Staaten schämen sich dieser Tage nicht, öffentliche Trauerbekundungen abzuliefern, in denen sie nicht müde werden, die großen Verdienste Nelson Mandelas um die Aussöhnung und die Toleranz zu würdigen, die ihn als moralisch übermenschlichen Giganten preisen und so tun, als seien sie von seiner gerechten Sache immer überzeugt gewesen. Wir wissen, was wir von solchen Huldigungen zu halten haben – sie sind letztlich verlogen und durchschaubar.

Die sogenannte „freie Welt" versucht heute, einen Revolutionär für sich zu vereinnahmen, der zu Zeiten eines noch stabilen Apartheidsystems in Südafrika als Terrorist und Angehöriger einer terroristischen Vereinigung beschimpft und verunglimpft wurde. Nach Mandelas Tod tobt der Wettlauf der Staatsoberhäupter der Welt um die medial besten Plätze bei seiner Beisetzung.

Mandela war ein Kämpfer für Freiheit und soziale Gerechtigkeit – und zu Zeiten bereit, dafür auch zu radikalen Mitteln zu greifen. Er tat dies im Bewusstsein, dass die Mächtigen und Herrschenden nicht dazu zu überreden sind, ihre ausbeuterischen Vorrechte aufzugeben und Reichtum und Macht zu teilen, so dass menschenwürdige Existenzbedingungen für alle geschaffen werden können. Mandela selbst sagte von sich: „Ein Thema, das mir im Gefängnis große Sorgen bereitete, war das falsche Bild, das ich unabsichtlich der Außenwelt vermittelte: das man mich als Heiligen betrachtete. Das war ich nie ...". – Man kann dazu nur sagen: Mancher „krokodilstränende Nachrufer" möge sich diese Selbstbeschreibung vergegenwärtigen. Heilige sind nicht von dieser Welt, aber Nelson Mandela war Teil der Welt wie kaum ein anderer politischer Kämpfer und Revolutionär zu seiner Zeit. Er war Teil einer Welt, die es zu verändern gilt – ein Heiliger schafft diese Veränderung nicht. Und der Kampf um die Veränderung einer ungerechten und von Ausbeutung geprägten Welt geht weiter.